Schuss in der Nacht - Die Ermordung Walter Lübckes

Regie Raymond Ley 
Drehbuch Hannah & Raymond Ley nach einer Vorlage von Dirk Eisfeld
Kamera Dirk Heuer
Montage Natali Barrey, David Kuruc
Ton Antoine Schweitzer
Casting Charlotte Siebenrock
Regie-Assistenz  Madeleine von Senfft
Szenenbild  Holger Sebastian Müller, Alexa Klett
Kostümbild Katharina Schnelting 
Musik Steffen Britzke
Maske Heidi Debbah, Eva Schubert
Licht Tilo Ullrich, Paul Fahle, Jesco Rohleder
Mischung Oliver Achatz

Am 01. Juni 2019 gegen 23:30 Uhr fällt der Schuss, der eine Zäsur in der Bundesrepublik bedeutet. In der hessischen Kleinstadt Wolfhagen-Istha wird in dieser Nacht der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ermordet, während nur wenige Meter weiter die jährliche Weizenkirmes die Bewohner in Feierlaune versetzt,

Es ist eine DNA-Spur an der Kleidung von Walter Lübcke, die am 15. Juni 2019 die Ermittler zu dessen mutmaßlichem Mörder führt: Stephan Ernst. Der vorbestrafte Rechtsextremist Ernst wird von einer SEK-Einheit in Kassel verhaftet. Ein erster Hintergrund-Check offenbart: 

Stephan Ernst ist den Sicherheitsbehörden bekannt, sie haben ihn aber sechs Jahre lang nicht mehr auf dem Radar gehabt.  Nun ist er wieder da. Und ein Mensch ist tot.

Das Dokudrama „Schuss in der Nacht“ erzählt emotional und zugleich faktenreich, wie es zum tödlichen Angriff  auf den Kasseler Regierungspräsidenten kam. Es erzählt vom ersten rechtsextremistisch motivierten Mord an einem Politiker seit der Zeit des Nationalsozialismus. Der Film basiert auf intensiven Recherchen und Gesprächen mit Beteiligten vor Ort. Vor allem stützt sich das Drehbuch auf die Protokolle des ersten Geständnisses von Stephan Ernst, das dieser später widerrufen und durch zwei neue Geständnisse ersetzen sollte. Beklemmend deutlich wird durch diese Protokolle, wie Ernst sich zunehmend radikalisierte und wie Walter Lübcke als Vertreter einer fürsorglichen Haltung gegenüber Geflüchteten zur Zielscheibe seines Hasses wurde. Der 90-minütige Film (Regie: Raymond Ley) verbindet szenische Elemente mit dokumentarischem Material und rekonstruiert dabei auch die Bürgerversammlung im hessischen Lohfelden, die Walter Lübcke zum Verhängnis wurde: Er trat dort kompromisslos für die Werte der Demokratie ein und wurde noch am selben Abend – zunächst im Netz – zum Feindbild der rechten Szene. Aus den hasserfüllten Worten wurden am Ende Taten und aus dem Schweigen der Zuschauer in Lohfelden wuchs für viele heute ein Gefühl der Scham, wie sie vor der Kamera berichten.

Im Zentrum der Spielszenen steht die Vernehmung von Stephan Ernst (gespielt von Robin Sondermann), der den beiden Ermittlern Norbert Bartels (Joachim Król) und Petra Lischke (Katja Bürkle) einen Einblick in seine Gedankengänge liefert. Wie kam es zum Mord an Walter Lübcke? Was löste den Hass aus, der zu dessen sinnlosem Tod führte? Die dichte und atmosphärische Inszenierung von Regisseur Raymond Ley („Meine Tochter Anne Frank“, „Tod einer Kadettin“) liefert einen erschreckenden Einblick in die Gedankenwelt rechtsextremer Täter und verarbeitet auch die gesellschaftliche Stimmung, die über Jahre den Boden für immer extremere Taten nährte.

Zu Wort kommen im Film außerdem Menschen aus dem innersten Zirkel Walter Lübckes: Freunde aus seinem Heimatdorf, politische Wegbegleiter wie die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann oder auch der Kasseler Pfarrer Arno Wilke, der Lübcke als Letzter sah und mit ihm am Abend des 01. Juni 2019 noch auf der Terrasse saß, auf der der Regierungspräsident später erschossen werden sollte.

In der Montage aus Spielszenen, dokumentarischem Material und sehr persönlichen Interviews ist so ein eindrucksvolles Mosaik entstanden, das zeigt, was dieser politische Mord für Wolfhagen-Istha, aber auch für Deutschland bedeutet. Ein völlig neuer Blick auf die Ereignisse vom Juni 2019 – und auf das, was dann folgte. Eine ARD-Koproduktion des HR, NDR, SWR und RBB mit der Filmproduktionsfirma AVE Publishing in Berlin, gefördert von HessenFilm

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